Karl Ranseier ist tot


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Karl Ranseier

† Karl Ranseier ist tot...

Der wohl erfolgloseste Kaktusredakteur aller Zeiten kämpfte schon als Kind gegen Zensur, indem er seiner Buchstabensuppe freie Verbreitung auf der Tischdecke schenkte. Bereits früh machte er erste journalistische Gehversuche, als er sich die Ratschläge seiner Eltern hinter die Ohren schrieb. Dieses Projekt mußte er aber leider einstellen, da er feststellen mußte, daß Werbung an dieser Stelle schwer verkäuflich ist.

Im Kindergarten war er unbeliebt, da er statt Cowboy und Indianer zu spielen lieber Stilblüten pflückte und Zeitungsenten fütterte. Auch in der Grundschule mochte ihn keiner leiden, und alle Kinder schimpften in Schusterjungen oder Hurenkind. Selbst bei Lehrern war er nicht gern gesehen, da er dem Aufsatz den Offset beiweitem vorzog. Obgleich die Sprache seine größte Leidenschaft war, waren seine Noten in Deutsch selten besser als Befriedigend, da er in seinen Aufsätzen zu viele Klischees unterbrachte und grundsätzlich Honorarwünsche ans Ende schrieb. Dafür waren seine Noten in Mathematik immer gut, da zu seinen größten Hobbys die Paginierung der ZEIT gehörte. Trotz auch ansonsten guter Noten ging er nicht gerne zur Schule, weshalb er sich einer Gruppe Schlagzeilen anschloß. Seine Eltern sahen diesen Umgang nicht gerne, weswegen sie ihn zu einem Psychiater schickten, wo er für unheilbar erklärt wurde, als er sich statt auf das Chaiselongue auf ein mitgebrachtes Feuilleton legte. Unterdessen wurde er immer tiefer in den Sumpf des Verbrechens hineingezogen: Er dealte mit Spiegeln, Sternen und der Süddeutschen, kaufte sich schließlich sogar ein Revolverblatt.

Als seine Eltern ihn schon fast abgeschrieben hatten, wurde er von einem Konradsblatt zurück auf den Pfad der Tugend gebracht. Er beendete die Grundschule und kam endlich ins Paulusheim, wo er sich an der Deutung der Rauchertreppensäulen versuchte. Eine glänzende Karriere hätte folgen können, hätte er nicht, anstatt zu lernen immerzu in den Spiegel geschaut. Auch bei der Kaktusredaktion machte er sich durch seine Themenwahl unbeliebt: Exclusivinterviews mit Billionen von Bernhards Bienen ermüdeten nur, doch ein Schneiderausklappbild (allein drei Seiten für die Frisur) war zuviel.

Karl Ranseier starb vergangenen Donnerstag im Paulusheimkeller, als er Eugen W. nach seiner Meinung über Pressefreiheit fragte.

Wir trauern um einen liebgewonnenen Kollegen, auch wenn er nur ein Fünftklässler war.

Die Redaktion

Geschickt von Paulaner

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